Terrasse ohne Randsteine bauen

Dieses Projekt hat mich jetzt 4 Wochen lang beschäftigt und ich habe fast 50 Tonnen Material mit Schaufel und Schubkarre bewegt. Jetzt bin ich fertig und morgen geht die Schule wieder los. Na toll. Aber auf das Ergebnis bin ich ein bisschen stolz:

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Ausheben der Grube

Nachdem die alte Terrasse und die Sandkiste entfernt waren, ging es ans Graben. Zuerst habe ich die Grasnabe abgestochen und die Hälfte davon hinten im Garten gelagert, falls ich noch etwas davon brauche. Dabei habe ich gleich den alten Spaten, den ich im Schuppen gefunden hatte, zerstört. Umso besser, denn jetzt besitze ich den OFFNER Goldspaten (Qualität und Arbeitsplätze). Das war der teuerste, den es im Baumarkt gab und ich hoffe, mir nie wieder einen kaufen zu müssen:-)

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Dann ging es auch schon in die Tiefe. Da unser Garten nur durch andere Gärten begrenzt ist und unser Eingangsbereich unterkellert ist, hatte ich leider keine Möglichkeit, einen Minibagger zu leihen/nutzen und musste alles mit der Schaufel erledigen. Ergebnis waren laut Entsorger 18 Tonnen Aushub.

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Wie man auf den Bilder erkennen kann, zeigte sich in der Grube ein altes Streifenfundament. Recherchen bei der Gemeinde und der Vorbesitzerin des Hauses ergaben, dass es sich um die Einfassung der alten Güllegrube (nennt man hier Suttergrube) handelt. Dafür sprach auch, dass auf der hauszugewandten Seite viel Abfall und Tierknochen zu finden waren.

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Ein paar Schätze waren auch zu finden, die eine Datierung auf ca. Kriegszeit zulassen. Damals wurde der naheliegende Bahnhof bombardiert und man hat dann alle Krater mit Bombenschutt gefüllt. Bei den Münzen handelt es sich um Schilling, das da links ist ein Salzstreuer.

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Der Frostkoffer / Das Fundament der Terrasse

In dieser Region muss ein sogenannter Frostkoffer ca. 50 cm tief sein, um Plattenhebungen bzw. -senkungen durch Frost zu verhindern. Als das Loch dann fertig ausgehoben war, habe ich beim Kieswerk 18 Tonnen Schotter bestellt, die dann mit dem Betonmischer angefahren wurden.

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Dieser wurde dann erneut mit Schaufel und Schubkarre durchs Haus gefahren und die Grube damit gefüllt.

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Der Schotter wurde in zwei Schichten einplaniert.

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Um das Niveau zu halten, habe ich vorher Pfosten eingeschlagen, auf denen ich mit dem Laser Markierungen gesetzt habe, wie hoch der Frostkoffer, der Splitt und die Platten sein müssen.

Verlegen der Platten

Als die Fläche mit der Rüttelplatte verdichtet war, kam der Splitt an. Diesmal nur 4 Tonnen, aber das reicht ja auch.

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Der Splitt wurde nicht einfach eingeschüttet, sondern ich habe sogenannte „Fatschen“ gesetzt, auf denen lange (gerade!) Wasserleitungen als Führung für das erforderliche Gefälle gelegt wurden.

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Wichtig ist hierbei folgendes:

  • Das Gefälle (vom Haus weg natürlich) sollte pro Meter Terrasse 1cm betragen. Bei meinen 3,8m habe ich 4cm Gefälle eingeplant.
  • Dafür kann man mit einer Schnur arbeiten, die man zwischen den Pfosten spannt, auslasert und dann vorne an der Terrasse 4cm tiefer setzt.
  • Die Flucht der Rohre solle man mit mehreren Wasserwaagen durchmessen, damit man keinen Fehler macht, der dann später viel Arbeit kostet.

Liegen alle Rohre satt in der Fatsche, füllt man den ersten Zwischenraum so weit, dass man bequem Platten darauflegen kann, ohne ihn zu betreten. Danach zieht man ihn mit einer langen Wasserwaage gerade über die Wasserrohre ab. Gibt es Löcher, schiebt man wieder etwas Material nach vorne.

Ganz wichtig: Hochwertigen Plattenheber kaufen, meiner hat sich letztendlich in seine Einzelteile zerlegt! Gelegte Platten sind schon betretbar. Die Platten werden dann mit einem Gummihammer festgeschlagen (Achtung, die brechen auch gerne mal). Sollten sich noch Unregelmäßigkeiten zeigen, kann man auch noch mit der Traufel etwas Material hinzufügen oder wegnehmen bzw. die Fläche vorher glätten und leicht mit der Kelle vorverdichten. Zwischen die Platten steckt man Fugenkreuze. Diese habe ich bei amazon bestellt und mich für 3 mm entschieden. Diese wurden zuerst von oben eingesteckt, später habe ich aus jeden Kreuz 4 Streifen geschnitten und diese in die Fuge fallen gelassen.

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Da man ja die Platten bereits betreten darf, geht der Rest recht einfach. Zu empfehlen ist noch, sich mit gespannten Schnüren zu behelfen, z.B. um die Flucht vor dem Haus richtig einzuhalten.

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Nachdem man eine Spur komplett angezogen hat, nimmt man das Wasserrohr raus und füllt die Fuge unter Zuhilfenahme einer Spachtel vorsichtig mit Splitt. Bei mir sieht man das ganz gut, da es zwischendurch geregnet hatte.

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Nachdem die komplette Fläche fertig war, ging es an die Seiten. Meine Terrasse ist leider links und rechts schräg, daher musste ich einige Platten schneiden. Auf dem Bild erkennt man noch, wie ich die Ränder der Terrasse gemacht habe. Ich wollte keine Randsteine betonieren und habe mich daher für Steinfix-Profile entschieden. Diese legt man einfach in das Splitbett und fixiert sie mit langen Nägeln im Boden. Funktioniert Tip Top!

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Schneiden der Platten

Wegen Schneiden habe ich mich informiert, was das Ausleihen einer Nassschneidemaschine kostet. Zu dem Preis bekomme ich ja nen neuen dicken Trennschleifer von Einhell.

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Da ich die Nachbarn nicht zu sehr mit meinem Staub belasten wollte, habe ich mir eine Vorrichtung gebaut, die da etwas helfen sollte. Ganz nach dem Motto „Es ist nicht dumm, wenn es funktioniert“, habe ich aus Müllbrettern und einem alten Spannbettuch einen Absaugtrichter gebaut, in welchen ich reingestaubt habe. An selbigem war mein Bausauger mit dem selbstgebauten Zyklonabscheider abgeschlossen. Mir war schon klar, dass der nicht die Wurscht vom Teller zieht, aber ein wenig was sollte er schon helfen.

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Wie ich festgestellt habe, hat es zwar trotzdem ordentlich gestaubt, aber ohne Trichter war es noch viel schlimmer. Und hinterher hatte ich doch eine gute Portion Staub im Abscheider:

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Nachdem alle Platten geschnitten und verlegt waren, sah die ganze Geschichte schon mal ganz gut aus.

Platten, die noch minimal höher waren, habe ich mit einer Gummimatte und einem selbstgebauten Stampfer aus einem Gullideckel und OSB festgestampft.

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Da an unserer Hauswand ein Streifen betoniert war, der leider überhaupt nicht in der Flucht war, wurde mit Flexkleber das Niveau dieses Streifens angepasst. Dazu habe ich einen langen Gummigranulatstreifen in die Fuge geschoben, die Platten mit Paketklebeband abgeklebt und dann den Flexkleber über die Platten abgezogen. Für die Optik wurde er am Schluss mit einem Schwammbrett nass abgerieben.

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Klebestreifen entfernt, Flexkleber ist noch etwas feucht.

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Fugen mit Sand füllen (Einsanden)

Dann ging es ans Einsanden. Ich habe mich für „NoGrow“ von DanSand entschieden. Mit dem ersten Sack bin ich genau auf 0 rausgekommen. Fürs Nachsanden brauche ich also noch einen:-)

Wichtig ist auf jeden Fall, den Sand diagonal in die Fugen einzuarbeiten. Ich habe erst einen harten und dann einen weichen Besen benutzt.

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Danach ist die Terrasse schon fast fertig.

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Als letzten Schritt habe ich die Bereich vor der Terrasse noch mit Humus gefüllt und neues Gras angesät.

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…und der alten Salzstreuer wurde restauriert und wieder in Betrieb genommen:-)

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Das nächste Projekt ist dann der Sichtschutz zum Nachbarn rüber und für nächstes Jahr habe ich eine Überdachung geplant. Aber fürs Erste werde ich den Herbst auf der Terrasse verbringen und die einzige Bewegung wird sein, zum Kühlschrank zu gehen um sich ein Bier da rauszuholen.

2 Kommentare

  1. Daniel Seidel

    Hallo Matthias, mich würde interessieren ob du mit deiner Terrasse ohne Randsteine noch zufrieden bist oder gab es Setzungen an den äußeren Platten weil du keinen Beton genommen hast? Gruß Daniel

    • Kraftymats

      Hi Daniel! Ich habe sogar eine Waglatte draufgelegt – Da hat sich nichts gesenkt. Ich bin absolut zufrieden, die Steinfixprofile halten super. Einziger Mist ist, dass ich den Frostkoffer und das Kiesbett etwas zu weit nach vorne geplant habe, dann einfach Erde statt Platten auf die letzten 20cm gekippt habe und Gras angesät habe. Dadurch, dass das Wasser wegen des Schotteruntergrunds nun zu schnell aus der Erde zieht, habe ich einen braunen und trockenen Streifen Boden vorne an den Platten. Da muss ich mir noch was überlegen. Also genau planen und die Steinfixprofile so nah wie möglich an die Erdkante bringen. Viele Grüße!

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